Oft werde ich gefragt, welcher Zeitpunkt denn der richtige wäre um einen Pass in Georgien zu befahren. Das lässt sich schwer sagen. Die Georgier sagen, man solle den Mai noch in Ruhe lassen. Ab Mitte Juni bis etwa August-September ist es sicher. Aber warum?

Das hängt vor allem mit der Schneeschmelze zusammen. Auch wenn es in Tiflis bereits 25 oder 27°C warm ist, sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Denn…

– In den Bergen ist es kälter.

Auch wenn das Thermometer am Pass 10 oder 15°C zeigt, heisst das noch lange nicht das der Schnee wie von Geisterhand verschwunden ist. Denn er schmilzt einfach nur und das kann dauern.

Das blöde dabei ist, das meistens nicht nur Schnee die Abhänge herunterkommt. Es kann auch sein das Steine und Geröll mit herunterkommen. Ja, ihr könnt vielleicht den Hinweg machen. Hinter euch gibts dann einen netten kleinen Steinschlag und somit seid ihr in der Bergwelt gefangen bis sich ein Arbeitertrupp aufmacht um die Straßen freizuräumen. Dieses geschieht in der Regel zwischen Ende Mai und Anfang Juni.

Unsere eigene Erfahrung: Wir sind Anfang Mai die Strecke von Achalkalaki nach Borjomi gefahren. Wir hatten es im Hinterkopf das es möglicherweise zu früh ist, haben aber das Risiko auf uns genommen, weil wir mit dem Pass in keine Sackgasse fahren. Sprich, oben angekommen gehts auf der anderen Seite wieder runter. Das ist in Gegenden wie Tuschetien anders. Dort gibt es kein „auf der anderen Seite gehts wieder runter“. Das einzige was es dort noch gibt, sind massive Felswände des Nordkaukasus. Auch wenn ich meinem Jeep ne Menge zutraue, fliegen kann er dennoch nicht.


Lange Rede, kurzer Sinn. Wir kletterten mit eben besagten Jeep den Pass hinauf (unasphaltiert, natürlich…) und irgendwann waren wir an der Schneegrenze. Eine Stelle wo der Schnee die Straße blockierte konnten wir mit Allrad und Schwung noch ganz gut überwinden. Aber nach der nächsten Kurve war es soweit. Der Schnee war zu tief, zu schräg und einfach zuviel als das man es wagen konnte das zu überwinden. Mit etwas Risikobereitschaft hätte man es vielleicht geschafft. Aber mal ganz ehrlich. Ich hatte keine besondere Lust den Abhang herunterzupoltern in einem sich überschlagenden Wagen und ich habe auch nicht wissen können was sich nach der nächsten Kurve befindet, denn zum Peak waren es noch etwa 3 km. Also haben wir uns für „Safety first“ entschieden und sind wieder umgedreht.

Wenn man zusätzlich bedenkt, das jedes Jahr ne Menge Autos die Schluchten herunterstürzen, dann ist Aufmerksamkeit und Vorsicht angesagt. Hier ein paar gutgemeinte Ratschläge:

1. Pässe in Georgien nur mit Allrad.
2. Lasst den Mai noch in Ruhe, das ist einfach noch zu früh.
3. Nehmt euch einen Satellitennotfallsender mit (siehe diesen Artikel) falls ihr kein Mobilnetz mehr habt und trotzdem Hilfe rufen müsst.
4. Lasst euch Zeit, ihr seid im Urlaub. Hetze ist auf dem Pass kein guter Begleiter.
5. Fahrt möglichst früh los, das euch auf dem Pass die Nacht nicht einholt. Mit Tageslicht fahren ist immer besser. Sollte es trotzdem mal dazu kommen. Nr 4 hat Priorität vor Nr 5.
6. Beachtet die „normalen Off Road Grundsätze“. Hier sind ein paar gute Tipps.
7. Je mehr dein Auto kann, desto weiter ist der Weg der Bergungskräfte, dich wieder aus dem Schlamassel zu befreien 😉

Und last but not least:
Das geht hier an meine georgischen Freunde.
Die Georgier sagen zu jedem 4×4 Fahrzeug „Jeep“. So Leute, und nun hört mal zu was der Onkel euch jetzt zu sagen hat: Ein Toyota ist ein Toyota und ein Jeep ist ein Jeep. Das ist so, und das wird auch immer so bleiben. Never call your freakin‘ Toyota a Jeep. Klar soweit??? So, da musste einfach mal raus!


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