Wir sind nach Seoul geflogen und hatten, was selten genug vorkommt, ein paar Tage Aufenthalt. Ein Freund von mir, der einiges mit Korea zu tun hat gab uns einige Sightseeingtipps, unter anderem mal einen Blick über sen Zaun zu erhaschen. Aber er meinte auch, wenn du denkst das nur die Nordkoreaner ne Propagandashow draus machen, weit gefehlt, das können die Südkoreaner genauso gut. Halt eben nur auf Südkoreanisch. Ob das jetzt wirklich Propaganda ist, oder nur die Sichtweise des jeweiligen Landes ist auch sicherlich Ansichtssache. Aber klar ist, diese Veranstaltung war ein wenig Grenzzaundisneyland.

 

Ein kleiner Rückblick in die Geschichte

Aber nur in Kurzform. Wer sich eingehender damit beschäftigen möchte findet im Internet reichhaltige Informationen über den Koreakrieg, der DMZ usw.

Im Prinzip ist die DMZ nichts anderes als die damalige innerdeutsche Grenze oder die Berliner Mauer. Im Norden Nordkorea (Democratic Peoples Republic of Korea, kommunistisch, also das was bei uns die DDR war) im Süden Südkorea (Republic of Korea, kapitalistisch, also vergleichbar mit der Bundesrepublik Deutschland).

Die Japaner hielten Korea besetzt und wurden wie damals Nazideutschland von Truppen der Amerikaner und Truppen der Sowjetunion im 2. Weltkrieg besiegt. Am 38. Breitengrad richtete man eine Grenze ein und der Norden wurde sowjetische und der Süden amerikanische Besatzungszone.

1950 begann der Koreakrieg, indem nordkoreanische Truppen in den Süden einmarschierten und die südkoreanische Truppen bis zur Südküste zurückdrangen. Nur die Stadt Busan war noch in südkoreanischen Händen.

Die UN griff ein und unter der UN Federführung der amerikanischen Truppen konnte man die Nordkoreaner bis an die chinesische Grenze zurückdrängen. Kurzum, einmal war Korea fast komplett von den Nordkoreanern kontrolliert und einmal fast komplett von den Südkoreanern.

Als die Front an der chinesischen Grenze verlief, griff China in den Krieg ein und drängten die Amerikaner zurück sodass dieser Vormarsch erst am 38. Breitengrad gestoppt werden konnte und sich ein zäher Stellungskrieg entwickelte der von keiner der beiden Seiten gewonnen werden konnte. Ausser vielleicht mit dem Einsatz von Atomwaffen. Der damalige amerikanische Präsident Eisenhower verzichtete aber darauf, da er den Krieg nicht weiter eskalieren lassen wollte. Also kamen Waffenstillstandsverhandlungen und 1953 war der Krieg beendet und die DMZ geboren.

Halt, so ganz stimmt das nicht: Es waren Waffenstillstandsverhandlungen. Formell befinden sich beide Länder nach wie vor im Kriegszustand.

 

Erstmal ein Überblick über die DMZ (Demilitarisierte Zone).

Ich gebe nur eine kurze Erklärung. Für weitere Informationen habe ich die entsprechenden Wikipedia Artikel verlinkt. Es soll ja nur eine geographische Übersicht sein. Der Stern markiert welche Orte wir auf der DMZ Tour besucht haben.

 

1. Imjingang.* Hier beginnt die Tour. Es ist ein Parkplatz mit einer Seilbahn, einigen Restaurants und einem kleinen Vergnügungspark. Erst hinter dem Fluß beginnt die DMZ. Zu diesem Ort kann man ohne Kontrollen mit Bahn, Bus oder Auto gelangen. Über den Fluß führt eine Eisenbahnbrücke und eine Straßenbrücke. Wer eine DMZ Tour gebucht hat, muss hier in den Bus wechseln der von der Südkoreanischen Regierung zur Verfügung gestellt wird. Privat kommt man als Tourist nicht in die DMZ. Der Bus fährt dann über die Straßenbrücke in die DMZ und man wird direkt hinter der Brücke von der Südkoreanischen Militärpolizei kontrolliert. Wer seinen Reisepass vergessen hat, für den ist hier schon Schluss.

2. Dorasan.* Dies ist der Grenzübergang nach Nordkorea innerhalb der DMZ (das ist formal nicht ganz richtig, die DMZ beginnt erst hier, aber man befindet sich schon innerhalb einer militärischen Sperrzone). Als der Industriekomplex Kaesong noch geöffnet war, durfte man (nur mit Genehmigung) hier die Grenze nach Nordkorea überqueren und mit dem Auto nach Kaesong fahren. Der Industriekomplex Kaesong ist aber nach Streitigkeiten zwischen den beiden Ländern 2016 geschlossen worden und die Grenze ist dicht. Desweiteren befindet hier die letzte Bahnstation vor der Grenze. Südkorea hat in der Hoffnung der Wiedervereinigung diesen Bahnhof gebaut und es gibt auch einen Bahnsteig der nach Pjöngjang führt, mit Beschilderungen und allem drum und dran. Der Eingang wird von Soldaten überwacht, und natürlich kommt man dort nicht rein. Hier endet der DMZ Zug der von Seoul nach Dorasan fährt, und wer weiss, vielleicht irgendwann mal bis nach Pjöngjang.

3. Das Dora Observatorium.* Ein kleiner Weg schlängelt sich den Berg hinauf. Oben befindet sich ein Gebäude direkt auf der Grenze der DMZ mit einer Terrasse mit vielen Ferngläsern. Der beste Blick den man nach Nordkorea bekommen kann, ist hier. Leider sind die Touren strikt getaktet und man hat nur 20 Minuten Zeit. Bei gutem Wetter und klarer Sicht kann man bis zur Stadt Kaesong sehen.

4. Der dritte Angriffstunnel.* In den 70er Jahren bohrte Nordkorea einen Tunnel in Richtung Südkorea. Entdeckt wurde der Tunnel weil auf Südkoreanischer Seite Sprengungen registriert wurden. Trotzdem vergingen noch einige Monate um die genaue Lage des Tunnels ausfindig zu machen. Nordkorea behauptet es wäre ein Teil eines Kohlebergwerks. Man kann diesen Tunnel besichtigen. Eine etwa 400 Meter lange Fußgängerrampe führt zu dem Stollen herab und unten angekommen kann man etwa 300 Meter bis zur Barrikade reinlaufen. Fotografieren ist leider verboten. Erlaubt ist lustigerweise ein Foto von den Überwachungskameras zu machen. Es wird vermutet das es weitere, bis zu 20 unentdeckte weitere dieser Tunnel gibt. Aber man muss gut zu Fuss sein. 400 Meter Rampe runter ist kein Problem, aber 400 Meter Rampe wieder hoch ist nicht für jeden. Es führt auch eine kleine Bahn herunter, die war allerdings geschlossen. Seine Taschen und (ganz wichtig) Handys oder Kameras muss man oben in ein Schließfach einschließen.

5. Das Dorf Daesong-Dong. Dieses Dorf konnten wir nicht besuchen, deshalb kann ich wenig drüber sagen. Aber kurz die Facts in aller Kürze: Hier steht der Südkoreanische Fahnenmast. Das haben sich die Nordkoreaner nicht bieten lassen und haben gegenüber im Dorf Kijong-Dong einen Fahnenmast gebaut der höher ist als dieser.

6. Joint Security Area. Das ist die vielleicht berühmteste Location in der DMZ. Hier wurden die Waffenstillstandsverhandlungen geführt und das Abkommen unterzeichnet.

7. Das Dorf Kijong-Dong. Das ist das Pendant zu Daesong-Dong. Wie schon gesagt, hier bauten die Nordkoreaner den höheren Fahnenmast. Man behauptet das Kijong-Dong ein Pontemkinsches Dorf ist, also nur eine Fassade. Ich habe dort jedenfalls keine Menschen gesehen.

8. Industriegebiet Kaesong. Hier schufteten Nordkoreanische Arbeiter für einen Hungerlohn für Südkoreanische Unternehmen. Die Südkoreaner bezahlten einen Monatslohn von etwa 67 US-Dollar im Monat. Am Ende kamen bei dem Arbeiter 2 US-Dollar (ja, zwei, ich habe keine null vergessen!) nach allen Abzügen an. Der Rest verschwand in die Staatskasse Nordkoreas. Für beide Seiten ein sehr einträgliches Geschäft, nur halt nicht für die Arbeiter. Nach Streitigkeiten wurde Kaesong 2016 geschlossen. Ganz kurz diese Geschichte wie das eskaliert ist: Nordkorea zündet eine Testatombombe, südkoreanische Firmen protestieren, Nordkorea beschlagnahmt Produktionsmittel in Kaesong, Südkorea kappt die Stromleitung nach Kaesong – Ende der Geschichte.

9. Stadt Kaesong. Dies ist die Stadt Kaesong mit etwa 300000 Einwohnern. Nicht zu verwchseln mit dem Industriegebiet Kaesong die nur ein Teil davon ist.

 

Die Tour

Die DMZ Tour beginnt in Seoul an der U-Bahn Station „City Hall“ am Ausgang 6 in unserem Fall morgens um 7:30 Uhr und kostet 80000 Won (Knapp 60 Euro). Von dort geht es mit dem Bus des Touroperators nach Imjimgang (1). Dort kauft man die Tickets (sind im Preis inbegriffen, also die Reiseleiterin kauft für uns die Tickets) und die Temperatur wird gemessen (Covid-19). Man benötigt übrigens weder PCR Test noch Impfnachweis für die Tour (Was für mich kein Problem gewesen wäre, ich habe eine Covid-19 Impfung und hatte gerade 2 Tage zuvor einen PCR Test gemacht), allerdings wird sehr auf Abstand und Maske geachtet.

Man muss damit rechnen, das aufgrund militärischer Restriktionen es nicht sofort losgeht. In Imjimgang mussten wir 2 Stunden warten bis wir in den nächsten Bus steigen konnten. Das ist ein Bus der Südkoreanischen Regierung. Nur mit dem gehts weiter und das liegt nicht in den Händen deines Reiseführers. Also, ruhig und nett bleiben, Kaffee trinken, du kannst es eh nicht ändern und dein Reiseführer kann nichts dafür.

Nun gehts mit dem Bus über die Brücke zum Checkpoint der Südkorianischen Militärpolizei. Die Pässe werden kontrolliert und es geht nach 5 Minuten auch schon weiter nach Dorasan (2). Allerdings fährt man dort nur durch, wegen Covid-19 Beschränkungen ist kein Stopp in Dorasan geplant. Der Bus fährt direkt zum Observatorium (3). Dort hat man 20 Minuten Zeit sich Nordkorea von der Aussichtsplattform anzuschauen und auch Fotos zu machen.

Nächster Stopp ist der dritte Angriffstunnel (4). Aufenthalt etwa eine Stunde mit der Möglichkeit zu Fuß in den Tunnel zu gehen. Fotos sind im Tunnel leider nicht erlaubt. Es folgt eine etwa 6 minütige Videovorführung in einem kleinen Kinosaal, danach eine kleine Ausstellung über die DMZ.

Auf dem Rückweg nach Imjimgang hält der Bus noch in einem Dorf für 20 Minuten mit der Möglichkeit dort im Shop Souveniers einzukaufen. Dann gehts zurück nach Imjimgang (Auch auf dem Rückweg werden die Pässe kontrolliert. Das Südkoreanische Militär will ganz genau wissen wer sich in der Sperrzone aufhält), man wechselt wieder den Bus und dieser fährt zurück nach Seoul (etwa 45 Minuten Fahrtzeit).

Mir kam es ein wenig vor wie eine Disneylandtour. Interessant auf alle Fälle, aber man muss darauf gefasst sein, das hier eben die südkoreanische Sichtweise erzählt wird.

 

DMZ oder nicht DMZ?

Es ist nicht immer leicht auszumachen wo die DMZ anfängt und wo sie aufhört. Wer denkt das man nach Überquerung der Brücke und passieren des Checkpoints in der DMZ ist, liegt falsch. Man ist erst in einem militärischen Sperrgebiet der Südkoreaner. In die wirkliche DMZ kommt man auf dieser Tour nicht, aber an sie heran. Als Beispiel eine Karte der Strecke von Dorasan zum Industriegebiet Kaesong, die inszwischen geschlossen ist.

Es ist nicht ganz einfach für einen Touristen wie mich das genau zu erfassen, daher soll die Karte nicht 100% Wissen vermitteln (denn ich weiß den Verlauf der DMZ nicht hundertprozentig), aber es vermittelt doch einen gewissen Überblick. Wer mal das Programm Google Earth auf seinem Rechner öffnet wird auch feststellen das die Gelbe Linie (Die eigentliche Grenze laut Google Earth) in der Joint Security Area etwas südlich der blauen Barracken verläuft. Das ist falsch. Die Grenze verläuft genau durch die blauen Barracken. Also ist der Grenzverlauf in Google Earth nicht korrekt dargestellt und man sollte sich nicht unbedingt darauf verlassen.

So nun zur Karte.

Die linke rote Linie ist die Grenze der DMZ zu Nordkorea, links davon also Nordkorea, rechts davon DMZ. Die mittlere rote Linie (oben nicht ganz zu Ende gezeichnet, weil ich mir dort absolut nicht sicher bin wie die DMZ verläuft) ist die Grenze der DMZ zum südkoreanischen Militärsperrgebiet. Die rechte rote Linie, die Grenze des Sperrgebietes zum Kernland Südkorea. Die gelbe Linie ist die von Google Earth gezeichnete Demarkationslinie, also die eigentliche Grenze (wobei Google Earth auch nicht ganz genau ist, denn die Linie ist etwas zu weit links. Also in Richtung Nordkorea). Die Idee der DMZ ist ein 4 km breiter Streifen rechts und links der eigentlichen Grenze. Die blaue Linie ist die Straße von Dorasan nach Kaesong die durch die DMZ läuft.

Was ich damit sagen will: Denkst du du bist auf dieser Tour in der DMZ? Nein, bist du nicht, du bist im südkoreanischen Militärsperrgebiet.

Und wem das noch nicht kompliziert genug ist, dem sei gesagt das die südkoreanischen Grenzanlagen (Also der Grenzzaun) nicht zwangläufig der Grenze der DMZ folgt. Sie macht durchaus Abkürzungen wenn es geografisch einfacher erscheint. Manchmal ist es halt einfacher den Zaun um einen Berg herumzubauen als über den Gipfel. Wie auch einige Beispiele der innerdeutschen Grenze oder der Berliner Mauer (Lenné-Dreieck).