Die georgische Supra:

Wie ich schon mal an einder anderen Stelle erwähnt habe, könnte man das auch als „Gelage“ bezeichnen. Aber das wäre schon ziemlich fies. Die Supra ist jedenfalls fester und wichtiger Bestandteil der georgischen Kultur.

Es gibt, wenn man so will, zwei Arten von Supra. Eine heisst Keipi und das kann man als Bankett oder auch als Fest verstehen, wie beispielsweise auf einer Hochzeit, einem Geburtstag oder anderen offiziellen und auch inoffiziellen Anlässen. Die andere heisst Kelechi und findet nach Beerdigungen statt. Auch an Jahrestagen findet am Grab des Verstorbenen eine solche Kelechi statt. Das kann man sich wie ein Picknik am Grab vorstellen. Das da der ein oder andere Chacha (eine Art Schnaps, vergleichbar mit Grappa) auf das Grab gekippt wird, damit der Verstorbene mittrinken kann, ist vollkommen normal.

Am Anfang einer Supra wird ein Tamada auserwählt. Das ist der „Tischführer“, also der der durch den Abend führt und die Trinksprüche ausbringt. Getrunken wird auf alles was die Kreativität so hergibt. Auf die Familie, auf die Liebe, auf das schöne Georgien und so weiter. Das ganze folgt natürlich festen Regeln und wem die nicht bekannt sind, der liegt recht schnell sturzbetrunken unter dem Tisch, denn man muss nicht gleich alles wegexen was einem vor die Nase gestellt wird. Es ist daher immer hilfreich seinen eigenen Touristenführer dabeizuhaben, der einen ein wenig bei den Regeln der Trinkkultur unterstützt. Darüberhinaus haben die Georgier eine Schlagzahl wo kein durchschnittlicher Mitteleuropäer mithalten kann.

 

Aufgefahren wird alles was der Kühlschrank und der Garten so hergibt. Dabei gibt es nicht wie bei uns einen Teller für jeden. Nein, alles wird auf den Tisch gestellt was die georgische Küche bietet und man bedient sich mal hier und mal da. Es können schon mal 20 Personen und mehr an einer Supra sitzen und je später der Abend, desto mehr fließt der Alkohol, die Trinksprüche werden immer absurder und die Georgier fangen an ihre Gesangskünste unter Beweis zu stellen. Ich behaupte mal, mit 3 bar auf dem Kessel kann jeder Georgier gut singen. Polyphoner Gesang inclusive. Bei mir hat sich meistens da der Zustand „Verlust der Muttersprache“ eingestellt, an singen ist da nicht mehr zu denken.


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